Pressestimmen

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Rotraut Freifrau von Stromer von Reichenbach-Baumbauer,
Stromersche Kulturstiftung, 25.04.2018

Am Sonntag, 22.4. bei schönstem Sonnenschein konnten die zahlreich erschienenen Zuhörer einem ganz besonderen Konzert im Burghof von Burg Grünsberg zu hören. Adafina, benannt nach dem Sabbateintopf der sephardischen Juden, in Duo-Version, brachte jüdische Musik, argentinische Tangos, das Siziliano aus Bach´s Es-dur-Flöten-Sonate, aber auch afro-amerikanische Rhythmen, in hoher Vollendung dar.

Almut Schwab spielte meist auf ihrem wunderbaren Akkordeon, brachte aber auch Querflötenstücke und Stücke auf dem Hackbrett. Ihr Duo-Partner Jan Köhler hatte nicht nur sein Marimbaphon mitgebracht, sondern er bediente noch sein Vibraphon und seine Trommeln.

Es war erstaunlich, was die beiden aus ihren Instrumenten holten; bis jetzt hatte ich es noch nicht erlebt, dass man in die Glocken des Marimbaphons zur Stimmerzeugung auch hineinpusten kann (gibt wundervolle „samtige“ Töne voller Volumen.)

Und was Frau Schwab mit ihrer Querflöte anfing, versetzte mich vollends in´s Erstaunen. Ganz zu schweigen von Tremolo und Flatterzunge sang sie auch hinein beim Spielen oder verwendete die Klappen perkussiv, schnelle Läufe und irre Sprünge wechselten sich ab mit getragenen Tönen. Und dazu versprühte sie eine Leichtigkeit und einen Charme, dass es eine wahre Freude war, ihr zuzuhören und zu –sehen.

Als Moderation zwischen den Stücken erklärte Frau Schwab jeweils, -zum Teil in perfektem Jiddisch-, wo das Stück herkam, zu welcher Gelegenheit es gespielt wurde und was es bedeutete. Und wie bei einem guten Eintopf war auch für jeden Geschmack ein Stück dabei. Am erschütterndsten allerdings war das Stück vom „einsamen Kind“, das im KZ geschrieben worden war.

Damit die fröhliche Stimmung nicht allzu sehr zerstört wurde, ließen Schwab und Köhler ganz schnell einen fröhlichen Hochzeitstanz aus dem Schtetl „Odessa bulgarisch“ folgen, wie bei den jüdischen Musikern seinerzeit ja auch Tieftrauriges neben total Heiterem lag.

Das Publikum entließ die beiden Künstler nicht, ohne ihnen noch einige Zugaben abgeschmeichelt zu haben.


Potsdamer Neueste Nachrichten, 01.08.2016

„Die Stücke funktionieren auch ohne Klarinette. „Adafina“ weiß, wie sie die richtige Mischung aus Technik und Emotion einsetzen kann. Und immer war die wunderbare Farbigkeit der Instrumentationen zu bewundern. Da hörte man beispielsweise Wehmütig-Schwermütiges und Tieftrauriges in dem Lied des einsamen Jungen, der in einem osteuropäischen Ghetto für Juden leben muss, Fröhlich-Tänzerisches sowie Übermütiges gab es zur jüdischen Hochzeitsfeier. Dafür hatte man unter anderem den Odessaer Bulgar, einen feurigen Rundtanz, parat. Witziges, Ironisch-Sarkastisches traten beim „ärgerlichen Tanz“ zweier rivalisierender Schwiegermütter während eines Hochzeitsfestes zutage. Das Konzert präsentierte ein Auf und Ab der Gefühle, dem man sich gern anschloss.

Adafina kam nicht nur mit Klezmer, der seit dem 15. Jahrhundert im osteuropäischen Judentum entstanden ist, nach Potsdam, sondern auch mit vielfältiger Musik, die die Juden auf ihren oftmals unfreiwilligen Reisen durch die Kulturlandschaften der Welt kennenlernten. So den argentinischen Tango, den afroamerikanischen Volkstanz Milonga oder auch die barocke Klangwelt Johann Sebastian Bachs. Wichtig scheint ihnen zu sein, dass die Aussagekraft, die Atmosphäre, die Freude am Musizieren die Zuhörer erreicht. Der Respekt gegenüber den unterschiedlichen Musikkulturen war offenkundig.

„Adafina“ kochte keinen faden Eintopf, sondern einen, der mit allerlei Überraschungen aufwartete, wohlschmeckend und der zur immer neuen Rezeptur empfohlen wird. Vor einem bloßen Aufwärmen muss einem nicht bange sein. Die Freitagabendmusik-Zuhörer in der Friedrichskirche genossen sichtlich das Konzert und spendeten langanhaltenden Applaus.“